Agnès

Agnès wächst in Straßburg auf, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Als Jugendliche entdeckt sie, dass sie auch deutsche Wurzeln hat und beginnt sich für die deutsche Sprache zu interessieren; sie nimmt ein Studium der Germanistik auf. Anlässlich eines Praktikums beim Europarat kommt sie zum ersten Mal nach Sachsen zu einem Seminar über Minderheitssprachen in Bautzen. Dort knüpft sie die Beziehungen, die ihr zu ihrer ersten Stelle als Sprachassistentin an der TU Dresden verhelfen.

Kurz vor Auslaufen ihres Vertrags lernt sie ihren zukünftigen Mann kennen und entschließt sich, in Dresden zu bleiben. Obwohl sie bereits einen französischen Abschluss besitzt, muss sie um eine feste Stelle an einem deutschen Gymnasium zu bekommen, den deutschen Abschluss nachholen und ein beinahe komplettes Studium absolvieren. Acht Jahre und drei Kinder später hat sie endlich ihr Staatsexamen in der Tasche.

Heute lehrt sie Französisch und Latein an einem Dresdner Berufsgymnasium. Sie schätzt das Dresdner Kulturleben, doch ab und zu macht sie gerne einen Abstecher nach Paris und besucht die Comédie Française.

 

Die deutsche Kultur – ich bin in Straßburg geboren – war mir sehr nah. Aber ich wusste nicht, dass ich auch deutsches Blut in den Adern habe. Ich habe das erst spät mitbekommen und das hat mich sehr schockiert, weil man uns in der Schule erklärt hat, dass es die guten Franzosen und die bösen Deutschen gibt und plötzlich war ich auch ein wenig böse.

 

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