Agnès

Nach dem Abitur verlässt Antoine sein Dorf in der Loire-Gegend, um in Paris Kunstgeschichte zu studieren. Er arbeitet einige Zeit im Kulturbereich, bevor er seiner Lebensgefährtin Ulrike – einer Dresdnerin – nach Brüssel folgt. Dort beschließt er sein Leben umzukrempeln und einen neuen Anfang als Möbeltischler zu wagen. Nachdem Ulrike ihr Fotografie-Studium abgeschlossen hat, und Antoine seine Ausbildung zum Möbeltischler, beschließen die beiden nach Berlin zu ziehen. Für Antoine ist es ein alter Kindheitstraum: als 11-Jähriger hat er zusammen mit seinem Vater die Bilder des Mauerfalls gesehen; außerdem ist er fasziniert vom Berliner Musikleben. Dresden, die Heimat seiner Frau, kommt zu diesem Zeitpunkt für ihn nicht in Frage: zu klein, zu spießig.

Einige Jahre später ist es doch so weit: Ulrike erhält ein Arbeitsangebot in Dresden und die Familie zieht in die Elbstadt. Mittlerweile gefällt es Antoine in Dresden sehr gut. Er schätzt insbesondere den Gemeinschaftssinn der Dresdner, so zum Beispiel in seiner Tischlerwerkstatt, wo Aufträge und Verwaltungstätigkeiten geteilt werden. In den Dresdner Kindergärten wird den Kindern viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet - ein guter Start ins Leben, findet er.

 

Mein stärkste Erinnerung in Zusammenhang mir Deutschland, das war mein Vater, der zwei ganze Tage vorm Fernsehgerät verbrachte, als die Mauer fiel. Die zweite Erinnerung ist die Musik, die ich zu der Zeit hörte, in der es oft um Berlin ging, Noir Désir zum Beispiel… Außerdem kam ich aus einem Dorf, und hatte natürlich nur das eine im Kopf: weggehen.

Im Kopf der Deutschen gehören wir eher zu den guten Ausländern.

 

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