Mathieu ist Naturwissenschaftler; nach seiner Promotion in Humangenetik sieht er sich nach einer Postdoc-Stelle im Ausland um und entschließt sich für Deutschland, das als Wissenschaftsland einen guten Ruf genießt. Dies ist für ihn kein einfacher Schritt, seine Familie ist jüdischer Abstammung und bringt seinem Vorhaben wenig Verständnis entgegen.

Der Anfang in Dresden mitten im Winter ist schwer; Mathieu und seine Freundin Constance, die ebenfalls Naturwissenschaftlerin ist, finden zunächst Unterkunft in einer Pension, bevor sie eine schöne Wohnung im Dresdner Barockviertel mieten können – unweit des Neustädter Bahnhofs, von dem aus Constance nach Leipzig pendeln kann, wo sie eine passende Stelle gefunden hat.

Das junge Paar spricht nur wenig Deutsch. Im Job wird nur Englisch geredet. Durch die Anmeldung in einem Dresdner Ruderclub gelingt es Mathieu zeitweilig aus dem Forschermilieu auszubrechen; an die deutschen Umgangsformen muss er sich gewöhnen. Auch die Geburt ihres Sohnes bringt dem Paar die Deutsche Lebensart etwas näher; beim Kinderarzt müssen sie deutsche Vokabeln pauken.

Nun sind sie schon wieder am Kofferpacken; Mathieu hat ein attraktives Jobangebot in Köln erhalten; er bleibt zunächst in Deutschland.

 

Als ich kurz vor dem Bewerbungsgespräch auf die Karte schaute, und sah, wo Dresden liegt, dachte ich, da werde ich sicher nicht hingehen, das ist ja am Ende der Welt.

Jetzt fühle ich mich Französisch, denn der Blick der anderen auf mich hat sich geändert. Die Leute sehen mich vor allem als Franzosen und mir wird bewusst, dass viele meiner Charakterzüge ihren Ursprung in meiner französischen Erziehung haben.

 

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