Sylvie gehört zu den wenigen Franzosen, die schon vor dem Mauerfall in Dresden lebten. 1974 kommt sie an die Ostberliner Humboldt-Universität, um ihre Magisterarbeit zu schreiben, ausgestattet mit einem Stipendium der Gesellschaft Frankreich-DDR. In Berlin lernt sie ihren zukünftigen Mann kennen. Sie bleibt in der DDR, wo ihr eine Anstellung als Übersetzerin beim Verlag Zeit und Bild in Dresden angeboten wird. Der Verlag gibt unter anderem fremdsprachige Zeitschriften für das kapitalistische Ausland heraus und beschäftigt um die dreißig Ausländer.

Abgesehen von dem Privileg „raus“ zu dürfen, das ihr einigen Neid einbringt, unterscheidet sich ihr Leben kaum von dem ihrer ostdeutschen Mitbürger. Sie kommt mit den materiellen Verhältnissen aus, bemängelt hauptsächlich den Mangel an frischem Obst und Gemüse. Es gelingt ihr, engen Kontakt zu ihrer Familie in Frankreich zu halten; sie reist zweimal im Jahr nach Frankreich, wofür sie einige Schikanen hinnehmen muss.

Die Wiedervereinigung geht für sie einher mit den gleichen Härten wie für ihre Dresdner Mitbürger. Die fremdsprachigen Zeitschriften werden eingestellt und sie muss sich beruflich umorientieren. Nach einem Fernstudium und einigen Umwegen bekommt sie eine Stelle am Fachsprachenzentrum der TU Dresden.

 

In manchen Situationen habe ich reagiert gegen die Arroganz, die Verachtung und die Ignoranz. Zur Zeit der Wiedervereinigung habe ich reagiert wie die „Ossis“, man hat sich von den Westdeutschen ein wenig überfremdet gefühlt.

 

> Bericht ansehen